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November 2020 bis Januar '21
Während der Nebel in den Bergen um Mourning Hill immer dichter wird, neigt sich das Jahr dem Ende zu und in der Stadt wird die Festtagssaison eingeläutet. Es empfielt sich, für Thanksgiving und Weihnachten schon mal das Fotolächeln zu üben und ein paar Ratschläge zu sammeln, wie man sich anständig vor seinen Verwandten benimmt. Wer nicht in der Lage ist, die Ferien zu genießen, quält sich lieber mit Gedanken an die anstehenden Klausuren und wenn diese einen nicht zum Frösteln bringen, dann wenigstens die rasant fallenden Temperaturen. Schnee wird zwar erst Mitte Dezember erwartet, aber den Eiskratzer sollte man trotzdem parat halten.


Mourning Hill, Oregon
Das "What Remains Of Innocence" ist ein Real-Life-RPG mit Mystery und Crime-Elementen, das sein L3S3V3-Rating voll ausschöpft, den Realismus mit Füßen tritt und sich mit den Bewohnern einer kleinen, beschaulichen Stadt an der Westküste der Vereinigten Staaten befasst. Der gute Ruf sämtlicher Bildungseinrichtungen eilt ihnen voraus, ihr Glanz überdeckt die düstere Vergangenheit des Ortes, der unter all dem Ruhm nur ein Ziel zu haben scheint: Das Schlechteste in seinen Einwohnern hervor zu bringen.
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05. November 2020:
Der seit einer Woche vermisste Hawthorne-Schüler wird tot im Witchwood Forest aufgefunden. Ein Verbrechen ist nicht ausgeschlossen. (related Scene)

06. November 2020:
Anonym auf Logbook geäußerte Drohungen und Verleumdungen sorgen für Wirbel an der Hawthorne Academy. (related Scene)

10. November 2020:
Versuchter Einbruch in der Fleet Street. Dem verletzten Täter gelingt die Flucht. (related Scene)

29. November 2020:
Leichenteile im Witchwood Forest gefunden. Ersten Ermittlungen zufolge handelt es sich um den 56-jährigen Frank Moretti, der seit Mitte November vermisst wurde. (related Scene)

05. Dezember 2020:
Eine Party in der Hawthorne-Villa endet mit einem Schuss. Drei Schüler der Academy werden ins örtliche Krankenhaus eingeliefert. (related Scene)
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burn your kingdom down
#1
<link href='https://fonts.googleapis.com/css?family=Open+Sans+Condensed:700' rel='stylesheet' type='text/css'><center><div style="width: 450px; text-align: center; font-family: 'Open Sans Condensed', cursive; font-size: 35px; line-height: 98%; text-transform: lowercase; letter-spacing: -2px; padding-top: 15px; text-shadow: #000000 1px 1px 0px;">I will burn your kingdom down</div>
<div style="width: 400px; font-family: georgia; font-size: 8px; text-transform: uppercase; line-height: 85%; padding: 3px 0px; letter-spacing: 5px;">if you try to conquer me and mine</div>
Bobby & Connor * 10. November 2020 * nachts</center>


Wenn alle Gedanken um eine bestimmte Sache kreisen, ist Zeit oft nebensächlich. Connor kennt dieses Gefühl besser als die meisten anderen, denn er verliert sich häufig in den eigenen Gedanken und den Plänen, die er sich für alle Eventualitäten zurechtlegt. Als er mitten in der Nacht von der Straße auf den ausgetretenen Trampelpfad Richtung Trailerpark stolpert, hat er nicht die leiseste Ahnung, wie lange er durch die gewundenen Straßen Mourning Hills gehechtet ist und wie lange er von der Stadt hierher gebraucht hat. Jeder seiner Gedanken wird von einer einzigen Empfindung beherrscht: dem pochenden Schmerz, der von seiner rechten Seite ausstrahlt und ihm das Luftholen nahezu unmöglich macht. Sein Atem geht stoßweise, abgehackt und er spürt die warm und klebrig zwischen seinen Fingern hervorsickernde Flüssigkeit sogar durch die Handschuhe hindurch. Sein Sichtfeld franst an den Rändern allmählich aus und als er nach einer gefühlten Ewigkeit endlich den schäbigen, kleinen Wohnwagen erreicht, den er Zuhause schimpft, stürzt er mehr gegen die Tür als dass er sich dort anlehnt.

Seine Bewegungen sind unkoordiniert und als er versucht, den Schlüssel aus seiner Jackentasche zu fischen, entgleitet der seinen zitternden Fingern und landet mit einem leisen Klimpern und Rascheln im Gras. „Fuck“, stößt der Junge mit den nachtschwarzen Haaren hervor und bedenkt den kleinen Schlüsselbund mit einem Blick, der zwischen mörderisch und betrogen hin- und herpendelt. Es ist der krönende Abschluss einer Nacht, die nicht schlechter hätte laufen können. Nachdem er durch einen dummen Fehler, für den er sich immer noch ohrfeigen könnte, die Alarmanlage ausgelöst hat, ist ihm außerdem klargeworden, dass auch die respektablen Einwohner dieser wunderbaren Stadt über Waffen verfügen. Zu seinem Glück ist der Kerl, den um Hab und Gut bringen wollte, jedoch kein besonders guter Schütze. Schmerzhaft ist der verdammte Streifschuss trotzdem und bei dem Gedanken, die Verletzung womöglich eigenhändig und ohne Handschuhe nähen zu müssen, wird ihm übel.

Schwer atmend dreht Connor sich so, dass er mit dem Rücken an der Tür vom Wohnwagen lehnt. Er holt noch einmal tief Luft und geht dann in die Hocke, um den verdammten Schlüssel aufzusammeln. Die Bewegung schickt einen stechenden Schmerz durch seinen Körper, aber als er sich wiederaufrichtet, flackert zumindest die Ahnung eines triumphierenden Lächelns über seine Lippen. Auch wenn er am Rande durchaus registriert, dass er verdammt tief gesunken ist, wenn er sich jetzt schon über solche lächerlichen Erfolgserlebnisse freut.
#2
Er griff nach hinten und zog sich die Kapuze über den Kopf, die über seiner Jacke hervorlugte. Es war ziemlich kalt an diesem Abend, doch das hinderte ihn nicht daran zu Fuß zu gehen. Er hatte sein Auto in der Nähe abgestellt und lief das letzte Stück, seit er vor ein paar Sekunden die gesuchte Gestalt um die Ecke hatten biegen sehen. Bobby wollte nicht riskieren, dass sein Auto ungewollte Kratzer abbekam, weil sich jemand wieder nicht im Zaum halten konnte. Während er die Straße hochlief und sich ihm immer mehr näherte, war er noch immer überrascht, wie einfach es gewesen war. Er hatte nur ein paar Leute fragen müssen und schon hatte er herausgefunden, wo sich sein Lieblingsbuddy gerade herumtrieb. Connor schien leicht zu humpeln. Oder zumindest nicht so zielsicher zu laufen, wie sonst. Oder bildete er sich das nur ein? Sein Blick fiel auf den Trailerpark und er hob die Brauen. Wohnte er hier? Wenn man das denn als Wohnen bezeichnen konnte. Ein Trailer ließ darauf schließen, dass er noch immer nicht zu mehr Geld gekommen war. Aber wie sollte man das auch schaffen, wenn man in einem abgewrackten Heim aufwuchs und keine gute Schulbildung hatte. Bobby hingegen hatte einfach Glück gehabt, als er von seinem Erbe erfahren hatte und sich damit auf die gute Seite der Stadt hatte schlagen können.

Endlich bogen sie um die letzte Ecke. Als auch Bobby folgte verlor er ihn kurz aus den Augen und blieb kurz stehen, um sich zu orientieren. Ohne Plan lief er drauf los und warf ab und an einen Blick auf die Türschilder. Bei manchen brannte Licht, andere zeigten deutlich, dass ihre Bewohner noch nicht wieder zu Hause waren. Und dann sah er ihn wieder. Aus dem Augenwinkel nahm er eine Bewegung war. Eine Gestalt bückte sich im Schatten der Abenddämmerung und wirkte dabei ziemlich angestrengt. Er kniff die Augen leicht zusammen, um seinen Blick zu schärfen und steuerte schließlich genau auf die Gestalt zu. Nachdem sie sich erst kürzlich gesehen hatte, war sich Bobby ziemlich sicher, dass er den schmalen Körper wiedererkannte. Gerade als er am Trailer ankam bemerkte er erneut, dass Connor anders wirkte. Er stand nicht so aufrecht da, wie er es sollte. Er wirkte fast schon…schwach? Eine seiner Brauen zog sich in die Höhe, als er ihn musterte. „Hast du dich wieder mit den Falschen angelegt?“, fragte er und grinste den Dunkelhaarigen an, der bestimmt nicht davon begeistert sein würde ihn wiederzusehen. Doch nach seinem abendlichen Treffen mit Reza, welches so katastrophal verlaufen war, brauchte er Ablenkung. Und da war ihm die Nachricht vorhin ziemlich passend gekommen. Kurzerhand hatte er nur seine Sachen aufs Bett geworfen und sich wieder auf den Weg gemacht. Und hier war er nun. Connor Dorsey, dank dem er gerade eine geschiente Hand hatte. „Ich dachte mir du könntest zu meiner abendlichen Unterhaltung beitragen, nachdem ich ja gerade nicht zum Training kann“, erklärte er kurzerhand seinen Besuch und hob dabei vielsagend seine verletzte Hand.
#3
Das helle Klimpern der Schlüssel klingt sonderbar dumpf in seinen Ohren und kommt kaum gegen das angestrengte Pochen seines Herzens an, das mit jedem Schlag Blut durch seine Adern und aus der an seiner Seite klaffenden Schussverletzung pumpt. Der Blutverlust steigt ihm zu Kopf und obwohl nur drei Schlüssel an dem kleinen Metallring baumeln, braucht er zwei Anläufe, um den richtigen zu erwischen. Die behandschuhten Finger umschließen das Metall, während Connor sich mühsam zur Tür dreht und dabei beinahe den Halt verliert, als hinter ihm eine Stimme ertönt, die hier absolut nichts verloren hat. Die haltsuchend ausgestreckte Hand hinterlässt einen farbenfrohen Abdruck auf der Außenseite seines Wohnwagens, der dem Ganzen einen dramatischen Anstrich verleiht, dem Connor in seinem momentanen Zustand allerdings nicht wirklich gerecht wird. Ächzend dreht er sich wieder um, rutscht ein paar Zentimeter an der blutbefleckten Wand herunter und presst die Hand, mit der er sich zuvor abgefangen hat, auf die Verletzung. Ein dünner Schweißfilm glitzert auf seiner unnatürlich blassen Stirn, sein Atem geht stoßweise und ein kleiner Teil von ihm will einfach an Ort und Stelle zusammenzuklappen.

Allein die Vorstellung, vor Miller auch nur in die Knie zu gehen, sorgt jedoch dafür, dass sich alles in ihm zusammenzieht. „Du hast den weiten Weg auf dich genommen, nur um mir dein Leid zu klagen? Wirklich, Miller… Ich fühle mich geehrt“, ätzt er und verengt die Augen, um das ekelhaft perfekte Gesicht und das ätzende Grinsen des Footballers fokussieren zu können. Wie hat er überhaupt hierher gefunden? Jemand, der sich vor einer gefühlten Ewigkeit auf die Sonnenseite der Stadt geschlagen hat, sollte bei Nacht nicht wie selbstverständlich durch den Trailerpark spazieren und der Gedanke, dass Miller sich womöglich schon in der Stadt an seine Fersen geheftet hat, behagt ihm noch weniger. Denn ja, seine Aufmerksamkeit war und ist eingeschränkt, aber es gehört schon was dazu einen wandelnden 2m-Schrank wie Bobby nicht zu bemerken. <i>Fucking hell</i>, er hätte besser aufpassen müssen. Schon während des Einbruchs. Aber da es jetzt ist wie es ist…

Mit einem schmerzerfüllten Keuchen lässt er den Kopf nach hinten kippen, allerdings ohne den Blickkontakt zu beenden. „Zwei Möglichkeiten“, sagt er und obwohl seine Haltung sehr deutlich macht, dass er absolut nichts an dieser Situation unter Kontrolle hat, ist seine Stimme genauso hart und abweisend wie vor einigen Tagen im Diner – wenn man davon absieht, dass er jetzt etwas atemloser klingt. „Du kannst entweder leise heulen und dich verpissen oder du schließt mir die verfickte Tür auf. Deine Entscheidung.“ Bobby Miller auf irgendeine Art und Weise in sein Leben zu lassen, gehört nicht zum Plan und steht mit Sicherheit nicht auf der ungeschriebenen Liste der Dinge, die er im Leben unbedingt noch erreichen will, aber die Alternative ist noch beschissener. Und da der Dunkelhaarige nun schon mal hier ist, um ihm auf die Nerven zu gehen, kann er sich wenigstens irgendwie nützlich machen.
#4
Der Anblick des Anderen war merkwürdig befriedigend und schien ein Feuer in seinem Inneren zumindest teilweise zu löschen. Bobby war nicht hergekommen, um ihn aufzumischen. Das hätte er auch neulich schon gekonnt, als Connor aus dem Diner gestürmt war und nachdem er ihm die Finger gebrochen hatte. Ein paar kleine verknackste Knochen hielten ihn nicht davon ab zu tun, was er tun wollte. Nein. Er war hierher gekommen, um sich ein Bild von seinen Lebensumständen zu machen. Und um damit wer weiß was anzufangen. Und nun hatte das Schicksal ihm in die Hände gespielt, indem es ihm einen blutenden Connor Dorsey vor die Füße geworfen hatte. Ein kleines Grinsen legte sich auf seine Lippen, als seine Augen zu dem blutigen Abdruck auf dem Wohnwagen ruckten. Und dann drehte er sich endlich um und hatte, wie schon beim letzten Mal, eine erstaunlich große Klappe.

„Für jemanden, der hier gerade sein Innerstes nach außen kehrt, bist du ganz schön vorlaut“, kommentierte er die Worte gelassen und neigte den Kopf, als er die Stelle musterte, die sich Connor gerade noch gehalten hatte. Sah eindeutig nicht schön aus und auch nicht so, als würde ein Pflaster reichen. Er stellte sich vor, wie es wohl unter dem Stoff aussah. Wie die Haut vielleicht aufgerissen war. Aufgeschlitzt von einem Messer vielleicht? Oder doch ein Loch, welches von einer Kugel verursacht worden war? Seine Fingerspitzen kribbelten leicht, als er die Finger der gesunden Hand zur Faust ballte und wieder öffnete. Der Drang einfach selbst nachzusehen war groß, doch er riss sich zusammen. Erst Connors genervte Stimme ließ ihn wieder aufblicken und kurz blinzeln, um seine Gedanken zu sortieren. Dann entfloh ihm ein Lachen, während er einen Schritt auf ihn zumachte. So weit, dass sie plötzlich nur noch wenige Zentimeter voneinander getrennt waren. Er blickte auf ihn nieder, wie er es schon früher immer getan hatte und legte sein schönstes falsches Lächeln auf. „Du meinst wirklich, dass du gerade dazu in der Lage bist mir Anweisungen zu geben Dorsey?“, fragte er und lachte rau auf. Sein Zeigefinger stieß auf eine Stelle dicht neben der, von der er vermutete, dass sie für den Blutverlust verantwortlich war, während er ihm weiter in die Augen sah. „Ich sollte ihn wohl eher nehmen und ganz weit weg vergraben, damit du hier draußen verreckst“, sagte er leise und mit dunkler Stimme. Trotz des Lächelns war die gespielte Höflichkeit verschwunden, während er weitere Sekunden auf ihn runterblickte. „Du hast Glück. Ich langweile mich noch immer aber du könntest das ändern und mir erzählen, wieso du blutest wie ein Schwein auf der Schlachtbank“, sagte er dann plötzlich und mit der gewohnten Lockerheit in der Stimme, als er ihm mit der gesunden Hand die Schlüssel aus der Hand schnappte und sich daran machte die Tür aufzuschließen. "Überspringen wir die Höflichkeitsfloskeln und tun so, als hättest du mich bereits reingebeten. Danke Connor Baby", fügte er wieder grinsend hinzu und ließ sich selbst herein. Nach ein paar Sekunden drehte er sich wieder zu ihm um. "Was? Muss ich dich etwa noch selbst ins Bett tragen?"
#5
Miller ist so ziemlich der letzte, den er in dieser Situation gebrauchen kann und als wäre ihm das nicht schon viel zu bewusst, verdeutlicht der Größere diese Erkenntnis, indem er beweist, dass er sich in all den Jahren kein Stück verändert hat. Er ist immer noch ein Tyrann, der es genießt, andere klein zu halten und wenn ihm eine entsprechende Situation vor die Füße fällt, dann nutzt er sie schamlos aus. Wären sie noch im Waisenhaus, würde Connor wahrscheinlich direkt in alte Gewohnheiten verfallen. Direkten Blickkontakt meiden, die Schultern zusammenziehen und hoffen, dass der andere Junge, der ihn damals um einen halben Kopf überragt hat, ihn übersehen würde, wenn er sich nur klein genug macht – so hat er die ersten Jahre nach dem Tod seiner Familie überstanden. Aber diese Jahre liegen inzwischen hinter ihm und als Bobby näherkommt, senkt Connor nicht den Blick. Eisige blaue Augen fangen die braunen Gegenstücke ein und obwohl der Footballer ihn noch immer überragt, knickt er nicht (noch weiter) ein. „Anscheinend langweilst du dich, wenn dir niemand vorschreibt, was du zu tun hast“, schnappt er und schlägt die fremde Hand beiseite, bevor sie tiefer gleiten und Druck auf die Verletzung ausüben kann. „Sonst hättest du dich wohl kaum hierher verirrt.“

Die behandschuhten Finger schließen sich unwillkürlich etwas fester um den Schlüssel zum Wohnwagen, als Miller androht, ihn zum Sterben hier draußen zurückzulassen. Zwar rechnet er nicht damit, dass seine Verletzung lebensbedrohlich ist, aber das könnte sich ändern, wenn der andere beschließen würde, sich ausgerechnet heute für die gebrochenen Finger zu revanchieren. Connor verengt die Augen, hält den Blickkontakt und die leichte Veränderung in seiner Haltung macht deutlich, dass er nicht im Traum daran denkt, ein leichtes Opfer abzugeben. Die Schultern sind gestrafft und er verlässt sich weit weniger auf die Stütze, die sein Wohnwagen ihm ist als noch Sekunden zuvor. Dann kippt die angespannte Stimmung jedoch in eine andere Richtung und während Bobby sich daranmacht, die Tür aufzuschließen, stößt der Junge mit den nachtschwarzen Haaren einen Laut aus, der wie ein missglücktes abfälliges Schnauben klingt, weil er den Fehler gemacht hat, sich erneut Richtung Tür zu drehen.

„Hör auf zu labern und geh rein“, presst er zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor und versetzt dem Größeren einen Stoß zwischen die Schulterblätter, bevor er hinter ihm die schmalen Stufen erklimmt und die Tür hinter sich wieder ins Schloss wirft.

Das Innere des Wohnwagens bietet nicht besonders viel Platz und ist in erster Linie zweckmäßig eingerichtet. Connor stützt sich schwer auf die kleine Küchenzeile und kippt den Schalter um, der den Wasserkocher in Gang setzt. Anschließend streift er die Jacke ab und lässt sie achtlos auf den Boden fallen, wodurch sie wie ein Fremdkörper in dem ordentlich gehaltenen Innenraum wirkt. Da er jedoch gerade damit beschäftigt ist, den angerichteten Schaden in Augenschein zu nehmen und mit einem leisen Zischen Luft zu holen, könnte ihm das und die Anwesenheit einer weiteren Person kaum egaler sein. Mit Miller oder vielmehr damit, wie er ihn wieder los wird, gedenkt er sich zu befassen, sobald er nicht mehr den Boden vollblutet.
#6
Ein belustigtes Schnauben kam über seine Lippen. „Seit wann sagt mir jemand was ich zu tun und lassen habe?“, fragte er und verdrehte die Augen, während er sich in dem kleinen Wohnwagen umsah, der alles andere als schön wirkte. Nicht wirklich wie ein zu Hause. Eher, wie eine Bleibe, die verhinderte, dass man unter der Brücke schlafen musste. Doch früher einmal hatte auch er nicht viel gehabt. Nur dieses verdammte Waisenhaus, in dem sie zu dämlich waren sich um die Kinder zu kümmern. Kopfschüttelnd wandte er sich wieder zu Connor um und beobachtete, wie dieser seine Jacke achtlos auf den Boden fallen ließ und schließlich seine Wunde musterte.

Viel sah man noch nicht, doch ihm war klar, dass Connor schon längst am Boden liegen und verrecken würde, wenn es super schlimm wäre. Dennoch sah er viel Blut und verzog kurz die Lippen. „Hast du Alkohol hier?“, fragte er und klang dabei fast schon gelangweilt. Er hatte nicht vor sich zu besaufen. Dafür würde er sich sicher keinen billigen Fusel von Connor Dorsey reinziehen. Er bezweifelte sogar, dass er überhaupt welchen hatte. Sonderlich reich wirkte er nicht. Aber gerade die armen waren es doch, die gern mal zur Flasche griffen. Bevor er also eine Antwort bekam ging er zu dem kleinen Kühlschrank und öffnete ihn. Drinnen stand eine Flasche Vodka. Der würde reichen müssen. Er griff nach dem Flaschenhals und holte ihn heraus. Anschließend schraubte er den Verschluss ab und blickte sich im Zimmer um. „Mach das Shirt hoch“, sagte er mit Blick zurück auf den Kleineren und ließ es nicht wie eine Bitte klingen. Wenn er hier nicht weiter alles in einem roten Ton streichen wollte, dann wäre es klug, wenn er einfach das tat, was Bobby ihm sagte. Und der genoss genau das, weil er wusste, wie sehr ihn Dorsey hasste.
#7
Seit er denken kann, ist er selbst für sich und sein Überleben verantwortlich. Erinnerungen an eine Zeit, in der das anders war, sind zwar vorhanden, aber an den meisten Tagen fühlen sie sich an als würden sie längst nicht mehr zu ihm gehören. Wie etwas, das vor Jahren zerbrochen ist und nicht mehr zusammengesetzt werden kann, weil Bruchstücke verlorengegangen sind oder weil er sich bewusst dazu entschieden hat, sie abzukoppeln und irgendwo zu vergraben. Denn Sentimentalität ist etwas, das er sich nicht leisten kann. Jeder Gedanke, den er an eine Vergangenheit vergeudet, die sich nicht ändern lässt, ist ein verlorener Gedanke, der ihn zurück- und davon abhält, vorwärts zu gehen und er ist fest entschlossen, sich kein weiteres Mal zurückwerfen zu lassen. Auch nicht von jemandem, der praktisch ein durch die Weltgeschichte wanderndes Stück seiner Vergangenheit ist und momentan mit aller Macht versucht, in seine Gegenwart rein zu pfuschen.

Mit missbilligend zusammengedrängten Augenbrauen beobachtet Connor, wie Miller sich an seinem nicht besonders gut gefüllten Kühlschrank zu schaffen macht und die eine Flasche Alkohol zum Vorschein bringt, die er besitzt und die er in den vergangenen Wochen nicht ein einziges Mal angerührt hat. Der Verschluss protestiert mit einem Knacken dagegen, dass das Siegel gebrochen wird und der Junge mit den nachtschwarzen Haaren verzieht bei dem Geräusch kurz das Gesicht, weil er im Gegensatz zu Miller ganz genau weiß, warum die verdammte Flasche bislang nicht geöffnet wurde. Alkoholische Getränke lassen sich nämlich nur weiterverkaufen, wenn der Verschluss intakt ist und die Hälfte vom Inhalt nicht auf irgendwelchen Schusswunden verteilt wurde. Und in diesem Fall hätte er für den Inhalt immerhin 300 Dollar bekommen. Eine Blutlache auf dem Boden hätte er dafür durchaus in Kauf genommen.

Noch immer mit einer Hand auf die Küchenzeile gestützt, verdreht Dorsey die Augen und das ‚Fuck you, Miller‘, das ihm bereits auf der Zungenspitze liegt, schillert praktisch in leuchtenden Buchstaben über sein gesamtes Gesicht. „Anderen helfen war noch nie etwas, worin du gut warst“, sagt er und hält den Blick des Größeren einen Moment lang fest, bevor er den Kopf zur Seite neigt. Obwohl sein Gesichtsausdruck anderes vermuten lässt, ist er jedoch nicht auf eine Diskussion aus. Zumindest nicht auf eine, die sich um sein tatsächlich ziemlich hinderliches und ohnehin ramponiertes Shirt dreht. Also zieht er sich das Kleidungsstück kurzerhand über den Kopf, lässt es in die Spüle fallen und offenbart nackte, von Narben und Tattoos gezeichnete Haut, bevor er die Hand nach der geöffneten Flasche ausstreckt.
#8
„Vielleicht kommt es einfach nur darauf an <b>wem</b> ich helfen will? Oder wer es wert ist?“, setzte er ihm entgegen und grinste leicht. Damals hatte Connor das perfekte Opfer abgegeben. Mittlerweile schien er aus seinem Schneckenhaus gekrochen zu sein und den harten Macker zu markieren. Allerdings war sich Bobby nicht sicher, ob er wirklich so hart war, wie er vorgab zu sein. Er lehnte sich mit dem Rücken an den Tresen neben ihm und musterte ihn weiterhin aufmerksam. Der Boden war jetzt schon versaut aber wischen würde er ganz sicher nicht. So weit ging seine Nächstenliebe nun auch wieder nicht. Er konnte nicht einmal erklären, wieso er ihm nicht einfach die Finger auf die Wunde drückte, bis ihm die Tränen, wie früher, über die Wangen liefen. Womöglich war er gerade etwas neben der Spur, doch allzu schlimm schien es nicht zu sein. Zumindest war er live dabei, wie der Andere gerade litt und konnte die Schmerzen in seinem Blick erkennen.

„Also, willst du jetzt weiter rumjammern?“, fragte er und sah erfreut dabei zu, als Connor endlich sein blutiges Shirt auszog. „Na also, geht doch“, gab er zustimmend von sich und trank einen ausgiebigen Schluck von dem überraschend guten Fusel. „Warum hast du so ein Schätzchen im Kühlschrank zu stehen und trinkst ihn nicht? Oder hebst du dir den für solche Momente auf?“, fragte er und wandte sich ihm grinsend wieder zu. Die ausgestreckte Hand ignorierte er. Stattdessen trat er etwas dichter und verharrte einen Augenblick reglos. Bobby legte den Kopf schief und beugte sich noch etwas weiter vor. „Das könnte jetzt weh tun“, raunte er ihm zu und kippte im gleichen Moment den Alkohol über die Wunde. Seine Lippen zuckten, als er endlich die Flasche auf Augenhöhe hob und sie an Connors Lippen hielt. „Sag fein Ah“, forderte er. Immerhin konnte es nicht schaden ein wenig benebelt zu sein, wenn er sich gleich daran machte die Wunde zu verarzten. Ob er dafür Talent hatte würde sich gleich noch zeigen. Und weil Connor noch immer nicht reagierte schob er ihm kurzerhand eine Hand in den Nacken, um seinen Kopf etwas nach hinten zu biegen. „Jetzt stell dich nicht so an. Oder willst du dich unnötig rumquälen?“, fragte er mit einem Blitzen in den Augen, als diese über den Oberkörper des Anderen huschten und jede Narbe, jedes Tattoo wahrnahmen.
#9
Zu hören, dass jemand wie Bobby Miller sich offenbar in einer Position sieht, die es ihm erlaubt über den Wert anderer Menschen zu urteilen, hätte ihn unter anderen Umständen und in einer Welt, in der schlechte Laune nicht so etwas wie sein Markenzeichen ist, vielleicht dazu animiert ein trockenes Lachen auszustoßen. Jetzt und hier kontert er das Grinsen des Footballspielers jedoch nur mit einem gleichgültigen Schulterzucken. Ihm ist egal, was andere von ihm halten und auch wenn Miller und ihn eine gemeinsame Vergangenheit verbindet, wiegt sein Urteil nicht schwerer. Es sorgt allerdings dafür, dass er abschätzig das Gesicht verzieht, als der Größere die Flasche an die Lippen setzt und sich einen großzügigen Schluck Wodka genehmigt. „Klar“, gibt er mit höhnisch wirkender Betonung auf dem Vokal zurück, „ich warte nur darauf, dass du unangekündigt hier auftauchst, um meinen Kühlschrank zu plündern.“ Ein humorloses Schnauben folgt und obwohl es nicht so aussieht, als würde er Gefallen daran finden, dass Bobby seinen Personal Space mit Füßen tritt, weicht er nicht aus oder zurück. Nur die abwärts zuckenden Mundwinkel lassen vermuten, dass er einmal mehr darüber nachdenkt, dem anderen Jungen das hässliche Grinsen aus dem Gesicht zu wischen.

Die Wunschvorstellung zerplatzt jedoch wie eine Seifenblase, als hochprozentiger Alkohol mit seiner Verletzung in Berührung kommt. Brennend und ätzend rinnt der Wodka über die Wunde und lässt die ohnehin durch seine Seite pulsierenden Schmerzen erneut entflammen. „Fuck“, flucht der Junge mit den tiefschwarzen Haaren über einen zischend ausgestoßenen Atemzug hinweg. Sein Körper krümmt sich und er muss sich mit einer Hand an der kleinen Küchenzeile festhalten, um nicht daran herunterzurutschen.

Erst die Hand, die ungefragt in seinem Nacken landet, lässt ihn den Blick wieder anheben. Das Gefühl von bloßer Haut auf bloßer Haut schickt einen ekelerregenden Schauer sein Rückgrat hinab und bevor er über mögliche Konsequenzen nachdenken kann, löst er die verkrampften Finger, zieht ruckartig die Schublade zu seiner Linken auf und greift nach einem Messer, das er Miller an die Kehle setzt. „Ich brauche deine scheiß Hilfe nicht“, zischt er und übt so viel Druck auf die Klinge aus, dass es eigentlich nicht nötig sein sollte, die in seinen eisigen blauen Augen schwimmende Drohung in Worte zu fassen. Da er jedoch nicht viel auf Millers kognitive Fähigkeiten gibt, fügt er hinzu: „Verpiss dich oder es ist gleich nicht mehr nur mein Blut auf dem Boden.“
#10
„Ich plündere deinen Kühlschrank, um dir zu <b>helfen</b> du Zicke“, erwiderte er augenrollend und schüttelte den Kopf. Connor machte es ihm nicht gerade leicht nicht eine andere Seite aufblitzen zu lassen. Bei ihrer letzten Begegnung hatte er ihm die Finger gebrochen, was ihm am Training gehindert hatte und das hatte Bobby noch nicht vergessen. Er hatte es nur für später zurückgeschoben und Connor selbst würde entscheiden, wie er damit umgehen würde. Klar könnte er ihn gerade sehr einfach überwältigen. Er war verletzt und schien nicht in der besten Verfassung zu sein. Außerdem hatte er sich beim letzten Mal nicht wirklich gewehrt und es fast schon darauf angelegt, dass der Andere die Oberhand behielt. Ihm war klar, dass er nicht mehr der kleine schmächtige und wimmernde Junge von früher war, doch Bobby hatte ihm ein paar Jahre Übung voraus. Dennoch interessierte ihn irgendwie, wie Connor zu dem Jungen geworden war, der sich gerade an der Küchenzeile festhielt, als der Alkohol in seiner Wunde brannte.

Bobby griff reflexartig nach seinem Arm, um ihn zu stützen und wurde im nächsten Moment für seine Reaktion gestraft. Das Messer an seiner Kehle lässt ihn die Hände sinken und dem Dunkelhaarigen in die Augen blicken. Die Wut und der Hass, die darin stehen, hätten ihn fast lachen lassen. Diesen Blick kennt er zur Genüge. Nicht erst einmal hat er ihn zu sehen bekommen. Aber die meisten trauen sich nicht ihm etwas entgegenzusetzen. Eigentlich interessant, dass er sich so sehr geändert hat. Irgendwann musste es einen Punkt in seinem Leben gegeben haben, an dem er sich gesagt hat, dass er sich nicht mehr herumschubsen lassen will. Und dass er ihm gerade in seinem Zustand ein Messer an die Kehle hält und droht, lässt ihn fast einen Hauch von Bewunderung für ihn verspüren. Aber auch nur fast. Denn langsam ist er mit seiner Geduld am Ende. Er hat sich doch nun wirklich anständig benommen. Hat ihm geholfen den Schlüssel ins Loch zu bekommen. Hat ihm letztes Mal nicht den Kopf dafür eingeschlagen, dass er ihm die Finger gebrochen hat und so vorlaut war und hat äußerst viel Geduld bewiesen, als er nicht weiter auf seine spitzen Bemerkungen eingegangen ist. Was also war sein verdammtes Problem? Für einen Augenblick sahen sie sich in die Augen und Bobby neigte den Kopf dabei leicht zur Seite. Er fühlte sich keinesfalls in die Enge getrieben. Immerhin war es Connor, der direkt an der Küchenzeile stand und er selbst hatte Luft nach hinten und wurde nicht festgehalten.

Die nächsten Bewegungen waren flüssig und schnell. Er machte einen Schritt nach hinten, griff grob nach Connors Arm und verdrehte ihm diesen so lange, bis das Messer nicht mehr auf seine Kehle zeigte, sondern nach unten. Eine Sekunde später stand er hinter ihm, hielt den Arm noch immer fest und bohrte die Finger so fest in sein Handgelenk, dass er das Messer nicht mehr lange würde festhalten können. Vor allem nicht in seiner aktuellen Lage. Und um diese Schwäche noch zu unterstreichen griff er mit der freien Hand an die verletzte Seite und drückte zu. „Was soll ich nur mit dir machen mh? Ich war doch wirklich freundlich zu dir aber du musst dich ja an alten Geschichten festhalten und rumjammern. Vielleicht solltest du nochmal darüber nachdenken wer hier gerade in der beschisseneren Lage ist. Ich hab dir nämlich wirklich viel durchgehen lassen.“ Und dafür konnte er sich glücklich schätzen. Das würde er bei kaum jemandem machen. Lange würde er damit aber nicht mehr davon kommen, wenn er ihm weiter damit drohte seinen Körper zu verletzten, für den er wirklich hart trainiert hatte. „Also…willst du weiter die betrogene Ehefrau spielen und ich lass dich hier weiter blutend herumliegen oder möchtest du doch etwas Hilfe?“, fragte er leise an sein Ohr, während er das Messer genau im Blick behielt.



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